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Zur diskursiven Konstruktion österreichischer Identität/en 2015: Eine Longitudinalstudie

FWF-Projekt (P 27153)
Projektlaufzeit: 01.01.2015-30.06.2018

Projektleitung:
o. Univ.-Prof. i.R. Dr. Ruth Wodak und Ao. Univ.-Prof. Dr. Rudolf de Cillia
MitarbeiterInnen: Dr. Markus Rheindorf und Sabine Lehner, BA MA

2015 startete am Wiener Institut für Sprachwissenschaft ein dreijähriges Forschungsprojekt, das an bisherige diskursanalytische Arbeiten zur Konstruktion österreichischer Identität/en anschließt. In dem FWF-finanzierten Projekt (P 27153) arbeiten Ruth Wodak und Rudolf de Cillia (Leitung) sowie Markus Rheindorf (Post-Doc) und Sabine Lehner (Prae-Doc) zusammen.

Die Jahre 2014-2015 bieten in mehrfacher Hinsicht Gelegenheit, die bisherige Forschung zur diskursiven Konstruktion österreichischer Identität/en im Sinne einer Longitudinalstudie fortzusetzen, zu aktualisieren, und auch den zugrundliegenden Forschungsansatz weiterzuentwickeln. Zum einen stellt 2015 abermals ein wichtiges Jubiläumsjahr für Österreich dar (u.a. 20 Jahre EU-Beitritt, 70 Jahre Unabhängigkeitserklärung, 60 Jahre Staatsvertrag). Zum anderen kann das Projektteam die Gelegenheit nutzen, Veränderungen der diskursiven Konstruktion österreichischer Identität/en über 20 Jahre hinweg qualitativ und quantitativ aufzuzeigen. Die Kontinuität des theoretischen Zugangs, der Methoden und der Datengrundlage macht das Projekt auch im internationalen Forschungsfeld einzigartig.

Wir greifen dabei auf umfangreiche Vorstudien zurück, die um 1995 und 2005 durchgeführt wurden. Der dabei entwickelte Diskurs-historische Ansatz (DHA) wurde international stark rezipiert und in den letzten Jahren im Rahmen von Studien zur diskursiven Konstruktion nationaler Identität/en in zahlreichen Ländern Europas, Nord- und Südamerikas, sowie in Australien und China angewendet. Der DHA zeichnet sich durch die starke Berücksichtigung des historischen Kontexts, das Prinzip der methodischen Triangulation und die kritische Grundhaltung aus. Er hat sich dank dieser Eigenschaften als sowohl robust als auch flexibel erwiesen.

Gleichzeitig setzt das Projekt auch neue Schwerpunkte und reagiert damit auf die internationale Weiterentwicklung des Forschungsansatzes und gesellschaftliche Entwicklungen. Hierzu zählen die kontroversen Debatten um die Rolle der Staatsbürgerschaft bzw. Citizenship, die wachsende Bedeutung von kulturnationalen Aspekten wie Sprache/n, der Umgang mit den Krisen, die seit 2008 auf zahlreichen Ebenen den politischen Diskurs beschäftigen; die schwierig zu definierende und vielfach ambivalent verstandene Rolle der EU gegenüber den Nationalstaaten; und schließlich neue Möglichkeiten von Teilhabe, die durch Social Media und Web 2.0 eröffnet werden. Übergeordnetes Ziel des Projekts ist es, im Sinne einer Longitudinal-Studie die Entwicklung der diskursiven Konstruktion österreichischer Identität/en nachzuzeichnen und dabei zu klären, ob und in welcher Form die bisher festgestellten Diskurse (Gleichheit, Differenz etc.) fortbestehen und durch neue ergänzt oder verdrängt werden.

Der diskurshistorische Ansatz wird daher weiterverfolgt und einerseits werden Vergleichskorpora zu den um 1995 und 2005 erhobenen Daten erstellt (Politikerreden, Zeitungen, Gruppendiskussionen, Interviews), andererseits aber gesellschaftliche Veränderungen der letzten Jahre aufgegriffen und dementsprechend neuartige Korpora hinzugefügt (Legistik, multimodale Texte, online Postings). Zu den fünf Bereichen der bisherigen Projekte – die sprachliche Konstruktion des Homo Austriacus, einer gemeinsamen Vergangenheit, Kultur, politischen Gegenwart und Zukunft sowie eines „nationalen Körpers“ –, die in diesem Projekt weitergeführt werden sollen, kommen vier neue thematische Schwerpunkte hinzu: (1) der komplexe Zusammenhang zwischen der Konstruktion nationaler Identität, diskursiven und legistischen Aspekten von Staatsbürgerschaft und Einbürgerung einerseits und Migration sowie gesellschaftlicher Diversität andererseits; (2) kultur- und sprachnationale Elemente in der diskursiven Konstruktion nationaler Identität, insbesondere die Re/Entnationalisierung der Sprache; (3) die mediale Inszenierung menschlicher Körper am Beispiel der Konstruktionen eines nationalen Körpers; (4) die Rolle von Web 2.0 und Social Media in der Konstruktion nationaler Identität. Wie schon in den Vorgängerstudien dienen auch 2015 die Jubiläen als Fokus für die detaillierten Analysen.

 

 

 

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